Tollkirsche

Atropa belladonna

Trivialname: Tollkirsche
Botanischer Name: Atropa belladonna
Familie: Solanaceae (Nachtschattengewächse)
   
Rezepte: 0 vorhanden
Erfahrungsberichte: 1 vorhanden
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Namen und Synonyme
Belladonna, Bullkraut, Hexenbeere, Irrbeere, Judenkirsche (auch verwendet für die Beeren der Physalis alkekengi!), Rasewurz, Schlafbeere, Teufelsbeere (siehe Judenkirsche), Tollkirsche, Tollkraut, Waldnachtschatten, Wolfsauge, Wutbeere.

Botanisch:
Atropa belladonna var. belladonna / bella-donna (LINNÉ)
Atropa belladonna var. Lutea (DÖLL.)


Englisch
Deadly Nightshade, Great Morel, Belladonna


Beschreibung
Die Tollkirsche ist ein ca. 40 - 150 cm (unter optimalen Voraussetzungen bis zu 2m) hoch wachsender, mehrjähriger, krautiger Strauch mit kräftigen, ausladend verzweigten Stängeln mit breit lanzettlichen, ganzrandigen Blättern (in der Blütenregion jeweils ein kleineres und ein größeres genähert).
Die Blätter können Ausmaße von bis zu 15x8 cm erreichen und sind, so wie die Stängel auch, flaumig behaart.
Die etwa daumendicken, einzeln stehenden Blüten in Glockenform bestehen aus einer bis zu 25mm langen, braunvioletten (var. belladonna) bzw. gelben (var. lutea) Krone und einem fünfzipfligen, grünen Kelch.
Die Krone ist purpurrot geadert, innen schmutzig-gelb und mit einem kurzen 5-teiligen, zurückgebogenen Saum.
Die ungefähr kirschgroße, anfangs grüne und später schwarz glänzende (var. belladonna) bzw. gelbe (var. lutea) Frucht sitzt nach dem Abfall der Krone in dem grünen Kelch. Bereits während der Blütezeit (Juni - August) können einzelne Kirschen reifen. Die Jungpflanze kann mit bittersüßem oder schwarzem Nachtschatten (Solanum dulcamara / Solanum nigrum) verwechselt werden. Sie liefert einen für Bienen attraktiven Nektar.


Vorkommen
Die in Mittel- / Südeuropa und in Kleinasien heimische Pflanze hat sich vermutlich von dort aus nach Westeuropa, Iran und Nordafrika verbreitet. In Griechenland ist sie nur selten und nur in bergigen Regionen anzutreffen. In den Alpen kommt sie in bis zu 1700m Höhe vor. Die Pflanze bevorzugt kalkhaltige Böden und schattige Standorte. Sie wächst zumeist auf Waldlichtungen oder an Waldrändern in bergigen bzw. hügeligen Regionen.


Geschichte
Das Tollkraut zählt neben der Alraune und dem Bilsenkraut zu den wichtigsten Hexenkräutern im europäischen Raum, da es besonders häufig in den südgermanischen Gebieten vorkommt. Es ist allerdings ungewiss, ob es dort heimisch ist oder im frühen Mittelalter importiert wurde. Vermutlich wird die Tollkirschwurzel schon seitdem Altertum genauso oder sehr ähnlich wie die Alraunenwurzel rituell und medizinisch verwendet.
Die Synonyme "Wutbeere" und "Wolfsauge/Wolfsbeere" haben einen Bezug zum Heidnischen Gott Wotan, der sowohl Gott der Jagt als auch der des Waldes ("Der heilige Hain") ist. Seine Eigenschaft ist die Raserei und sein Tier der Wolf (im Heidentum werden verschiedenen Göttern / Walküren bestimmte Tiere zugeordnet). Vielleicht haben die Jäger damals aus diesem Grund vor der Jagt 1 - 2 Tollkirschen zu sich genommen, um ihre Sinne für die Jagt zu schärfen.
Wie einem Fußbodenmosaik aus der Römerzeit in Zypern zu entnehmen ist, stand die Schicksalsgöttin Atropos, die den Lebensfaden durchschneidet, bei der botanischen Namensgebung der Pflanze Pate. "Bella-Donna" bedeutet zu Deutsch "schöne Frau". Schon bereits sehr früh nutzten Frauen die Wirkung des Tollkirschensafts dazu, um durch die glänzenden "großen" Augen attraktiver zu wirken. Dieser Umstand beruht auf der Tatsache, dass erweiterte Pupillen beim Mensch sexuelle Erregung ausdrücken. Das wirkt(e) sich günstig auf die Partnersuche aus. Allerdings geht dies zu Lasten der Sehstärke, wodurch die Frauen wahrscheinlich wiederum Nachteile bei der Wahl der Männer hatten ;)
Während der Hexenverfolgung im Mittelalter wurde diese und andere Nachtschattengewächse benutzt, um bei Strafprozessen belastende Aussagen zu erpressen. Als Wahrheitsdroge konnten sich Nachtschattendrogen allerdings nicht durchsetzen. Die Wahnzustände, die bei höherer Dosis auftreten, brachten (in der frühen Neuzeit) oft die erwünschte Bestätigung des Hexenverdachts. Außerdem nimmt man an, dass auch die Tollkirsche ein Bestandteil der Hexensalben gewesen sein könnte.


Drogen und Inhaltsstoffe
Alle Teile der Pflanze können verwendet werden. Die Blätter werden wissenschaftlich als Belladonnae folium, Belladonnae herba, Solani furiosi oder Belladonnablätter bezeichnet. Sie sollen während den Monaten Mai bis Juni gesammelt werden, da zu dieser Zeit ihr Alkaloidgehalt am höchsten ist. Sie werden im Schatten getrocknet und vor Licht geschützt luftdicht gelagert. Die Kirschen (Belladonnae fructus) werden frisch oder getrocknet verwendet. Die Ernte findet vor der absoluten Reife statt. Trocknung und Lagerung erfolgt an luftigen, trockenen Orten. Sowohl Kirschen als auch Blätter können in Rauchmischungen verwendet werden. Das Rauchen der Drogen ist theoretisch "ungefährlicher" als eine orale Einnahme, da die Wirkung schneller einsetzt und die Gefahr einer Überdosierung dadurch geringer ist. Außerdem kann es passieren, dass der Konsument im Falle einer Überdosierung nicht mehr dazu kommt, den vergifteten Mageninhalt zu erbrechen. Besondere Vorsicht ist bei Verwendung der Wurzel (Belladonnae radix) gegeben, da der Alkaloidgehalt dort insgesamt höher ist.

Die ganze Pflanze enthält zwischen 0,272 und 0,511% Tropanalkaloide. Die Varietät lutea nur 0,295%. In den Stängeln sind bis zu 0,9%, in unreifen Früchten bis 0,8%, in reifen Früchten 0,1 - 9,6% (!) und in den Samen nur ca. 0,4% Alkaloide enthalten.
Vorherrschendes Alkaloid in den lebenden Pflanzen ist Hyoscyamin, welches bei der Trocknung zu Atropin (DL-Hyoscyamin, C17H23NO3) umgewandelt wird. In den oberirdischen Teilen sind nur wenig Scopolamin, Gerbstoffe, Cumarine und Flavonoide vorhanden.
In den Wurzeln gibt es neben Hyoscyamin und Cuskhygrin keine Flavonoide. Die Alkaloide können über die Haut aufgenommen werden (Siehe "Hexensalben").


Eigenschaften und Wirkungen
Es treten die für Nachtschattengewächse typischen Wirkungen auf:
Mundtrockenheit und Schluckbeschwerden, Pupillenerweiterung, beschleunigter Herzschlag, Gesichtsrötung. Des weiteren psychomotorische Unruhezustände, die sich bis zu Tobsuchtsanfällen und Krämpfen steigern können, allgemeine Erregungszustände (auch in erotischer Hinsicht), sensorische Halluzinationen, die von der Realität teilweise NICHT unterschieden werden können, Weinkrämpfe, Ideenflucht, Rededrang, Euphorie, veränderte Umgebungswahrnehmung.
Auf die Erregung folgt ein narkotischer Schlaf, in dem oft sehr farbige Träume mit häufig erotischem Inhalt vorkommen. Zu meist werden die Halluzinationen und Träume (bei geschlossenen UND geöffneten Augen!) allerdings als düster, bedrohlich, satanisch, zutiefst erschreckend oder dämonisch beschrieben. Deshalb und aufgrund der Kater-ähnlichen Nachwirkungen berichten viele Konsumenten, dass sie keine weiteren Erfahrungen mit diesen Drogen machen wollen.
Auch wenn die (Haupt-) Wirkung nur ca. 3 - 4 Stunden anhält, können die (Nach-) Wirkungen (im Auge) 3 bis 4 Tage dauern. Diese können Sehstärkeverlust, Schleimhauttrockenheit, Gedächtnisverlust und Halluzinationen umfassen. Die Schleimhauttrockenheit kann zu schmerzhaften Verletzungen und anschließende Infektionskrankheiten führen, da der Schutzmechanismus durch die ausbleibende Sekretabgabe geschwächt ist.
Nicht zu wissen, ob und was man mit Personen besprochen hat oder ob es nur Halluzinationen waren, mit denen man geredet hat, kann zu peinlichen und fragwürdigen Situationen in den Folgetagen führen. Der Berauschte weiß am beim Einsetzen der Wirkung unter Umständen nicht, dass er (schon) unter Drogeneinfluss steht. Das kann zu Verwirrung, "Bad Trips" und über das Gefühl, Verrückt zu werden, (latente) Psychosen auslösen.
Der Konsum von Nachtschattendrogen löst weitaus häufiger Psychosen mit anschließend erforderlicher stationären psychiatrischer Behandlung aus, als es andere Halluzinogene tun! Aussagen von Konsumenten wie "Ich drehte mir bestimmt 50 Zigaretten. Aber immer, wenn ich sie lecken wollte, waren sie einfach verschwunden. Ich hab den ganzen Boden abgesucht und hab sie nicht gefunden! Es war zum Verrücktwerden!" sind keine Seltenheit.
Der Tod kann durch Atemlähmung eintreten.


Verwendung
Seit der Antike werden Teile der Pflanze unter Anderem als Schmerzmittel und zur "Dämonenvertreibung" (also gegen Depressionen, Psychosen und Geisteskrankheiten) angewendet.
In Marokko wird ein Tee aus wenig Wasser, Zucker und den Beeren als Aphrodisiakum für Männer getrunken. Kleine Dosen davon sollen "Den Verstand zu intellektueller Arbeit befähigen" und "Die Gedächtnisleistung verbessern". Nach Überdosierungen kann allerdings der gegenteilige Effekt eintreten! Im 19. Jh. Wurden Extrakte unter Anderem gegen Gelbsucht, Wassersucht, Keuchhusten, Scharlach, Harnorganerkrankungen, Atemwegserkrankungen, Nierenkoliken und Augenentzündungen verabreicht.

Die medizinische Einzeldosis der pulverisierten, getrockneten Blätter wird mit 0,05 - 0,1 g angegeben. Die therapeutische Dosis von Atropin liegt bei 0,5 - 2 mg. (Diese Angaben sind ohne Gewähr)

Heutzutage werden die Blätter medizinisch nur noch in Form von standardisierten Extrakten in Fertigpräparaten sowie die isolierten Reinalkaloide oder partialsynthetische Derivate derselben verwendet. Da der Alkaloidgehalt prozentual in den Wurzeln höher ist, wird diese zur Aufbereitung vorgezogen. Homöopathische Zubereitungen (meist erst ab D4) verwendet man häufig bei hochfieberhaften Entzündungen, z.B. der Mandeln und der Atemwege, bei Kopfschmerzen und Erregungszuständen.

Hyoscyamin und Atropin wirken als cholinerge Antagonisten und somit als Gegengift bei Vergiftungen durch Muscarin, Blausäure und Opium. Morphin ist ein Atropin-Antidot.
Es ergeben sich aus der antagonistischen Wirkung krampflösende Eigenschaften bei Spasmen im Bereich des Magen-Darm-Kanals, der Gallen- und Harnwege und bei Bronchialasthma. Vor langer Zeit konnte man deshalb in Apotheken so genannte "Asthmazigaretten" kaufen, in denen Nachtschattendrogen enthalten waren.
Da die Alkaloide sekretionshemmend auf Speicheldrüsen, Schweißdrüsen und die Schleimdrüsen der Atemwege und des Magen-Darm-Kanals sowie zentral beruhigend wirken, werden sie vor Operationen gespritzt, damit der Patient nicht am eigenen Speichel erstickt.
Durch die Lähmung des parasympathischen Teils des Nervensystems durch Atropin erweitern sich die Pupillen für relativ lange Zeit. Aus diesem Grund wird es noch heute als Mydriatikum in der Augenheilkunde angewendet. Früher wurde genau diese Eigenschaft der Beeren von Frauen genutzt, um attraktiver zu wirken (siehe Geschichte).
Wurzelauszüge sind als "Bulgarische Kur" gegen Parkinson bekannt. Dieses Arzneimittel ist in Deutschland jedoch nicht zugelassen.

Atropin ist zwar verschreibungspflichtig und ein Gefahrenstoff, wird aber nicht als Betäubungsmittel eingestuft. Tollkirschblätter und -Wurzeln sind Apothekenpflichtig.


Zubereitung
Trockene Kirschen oder zerbröselte, getrocknete Blätter werden in Rauchmischungen oder als Aufguss verwendet. Ca. 20 - 180 MILLIGRAMM der Blätter oder 20 - 120 mg der Wurzel werden geschluckt oder geraucht.
Ein bis zwei Tollkirschen gelten bei Erwachsenen als leicht anregend, drei bis vier als psychoaktives Aphrodisiakum, drei bis maximal 10 als stark halluzinogene Dosis. 10 - 20 Beeren gelten als tötliche Dosis.

ACHTUNG: jeder Mensch reagiert anders auf Tropanalkaloide. Was für den einen eine leichte Dosis ist, kann bei dem anderen schon zu heftigen Vergiftungserscheinungen führen! Außerdem bauen sich die Alkaloide nur langsam ab. Mehrere leichte Dosen können sich, Zeitlich auch NACH dem Abklingen des Wirkungsprofils, zu einer tödlichen Dosierung addieren. Wer experimentieren will, sollte mit kleinen Dosierungen anfangen und zwischen den Tests mehrere Tage abstinent bleiben.Wegen der stark schwankenden Alkaloidkonzentration ist eine "sichere Anwendung" aber nicht möglich und deshalb kann man vor den Konsum nur dringend abraten ! Dass man Nachtschattengewächse nicht mit anderen Drogen kombinieren sollte, dürfte aufgrund der heftigen Wirkungen auf der Hand liegen.

Tollkirschen können auch vermaischt, gegoren und dann zu "Toll-Kirsch" destilliert werden. Die frischen Kirschen haben einen leicht süßlichen, faden und bitteren Geschmack, der stark adstringierend wirkt (hinterlässt ein pelziges Gefühl im Mund). --> "Papp-Fresse"
Zwei bis vier Beeren können bei Kindern bereits tödlich wirken. Weiterführende Informationen zur Giftigkeit findet man zB bei Gifte.de ( bei unseren Links)


Kultivierung
Da nur weniger als 60% der Samen keimen, ist die Vermehrung über Stecklinge von neu ausgetriebenen Schößlingen oder Wurzelstockablegern am einfachsten und erfolgreichsten. Die Vermehrung geschieht im Frühling. Trotz den schlechten Keimraten lohnt sich der kommerzielle Anbau über Samen in Süd-/Osteuropa, Pakistan, Nordamerika und Brasilien für den medizinischen Anwendungsbereich.


Ausgesuchte Info Links
Wir haben jeden dieser Links schon mal besucht. Aber aufgrund des Urteils vom Landgericht Hamburg distanzieren wir uns von deren Inhalten und lehnen jede Verantwortung ab.

Info-Links:
G-NETZ.DE
GIFTE.DE
GIFTPFLANZEN.COM
PHARMAKOBOTANIK.DE
CATBULL.COM
WIKIPEDIA.ORG
DRUG-INFOPOOL.DE
AMLETO.DE
DOMHAIN.DE

english
BOTANICAL.COM
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